Antwort von Dr. Wolfgang Wodarg

... auf unsere Frage bezüglich seiner Ideen zur ärztlichen Versorgung in der Gemeinde Ulsnis:

"Obwohl ich ja häufiger in Ulsnis war und auch jetzt gerade in Steinfeld mit der Ulsnisser Bürgermeisterin über die gesundheitliche Versorgung gesprochen habe, ist mir nicht erinnerlich, dass es dort derzeit Probleme gibt, die über das hinausgehen, was in ländlichen Versorgungsgebieten typisch ist.

Natürlich ist die Notversorgung auf dem Lande meistens nicht so schnell zur Stelle, wie in städtischen Räumen. Deshalb habe ich ja auch (mit Erfolg) dafür gekämpft, dass wir einen Notarzt in Kappeln und nicht nur in Schleswig, Flensburg und Eckernförde haben.

Der normale ärztliche Bereitschaftsdienst ist ausserdem durch den Rückgriff auf nicht regional niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in seiner Qualität nicht überall verbessert worden.

Zur frage nach meinen Ideen zur Versorgung auf dem Lande:

Ich möchte auf dem Lande Zusammenschlüsse von ärztlichen und pflegerischen Kapazitäten zu Netzwerken oder gemeinschaftlich betriebenen Zentren, zum Beispiel auf Amtsebene den Weg ebnen.

Hier kann die Zusammenarbeit aller so ähnlich intensiv organisiert werden, wie es innerhalb eines guten Krankenhauses der Fall ist.

Solche kommunal orientierten Einrichtungen sind dann auch für zahlreiche Ärztinnen attraktiv , welche aus familiären Gründen nie eine Landpraxis wagen würden.

Hierdurch kann einer "Landarzt"-Knappheit entgegengewirkt werden, denn über die Hälfte der zukünftigen Mediziner sind Frauen.

Nicht bei jedem Hilferuf muss übrigens gleich ein Arzt ausrücken. Oft - wie in Skandinavien - ist eine gut hierfür ausgebildete Pflegekraft, wie in der Klinik, die schnellere und adäquate Lösung. Sie muss natürlich ggf auf schnelle ärztliche Unterstützung zurückgreifen können.

Ich werbe auch dafür, dass die Kassen einem solchen ländlichen Versorgungszentrum Verträge anbieten, die über pauschalierte Budgets den Verwaltungsaufwand minimieren und gleichzeitig Anreize für Prävention setzen.

Auch für den Bereich um Ulsnis wäre eine solche Zusammenführung der ärztlich-pflegerischen Kapazitäten sicher ein Gewinn für alle.

Weiteres findet sich auf meiner Homepage.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Wodarg"

Karaca schreibt uns

Einige Tage später erreichte uns eine Stellungnahme unserer Bürgermeisterin Heidrun Karaca, die wir hier gene dokumentieren möchten:

"Ich habe Herrn Wodarg (und übrigens auch Frau Rodust und Frau Pauls) erzählt, dass bei dem besagten Einsatz 25 Min. Wartezeit entstanden waren. Die Politiker erzählten mir, dass die Wartezeiten auf dem Land in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten betragen würden. Wenn aber gerade alle im Einsatz sind, kann es leider auch mal länger dauern.

Meine Nachfrage bei der Rettungsleitstelle ergab, dass 12 Minuten Wartezeit angestrebt sind, es aber leider nicht immer gelingt.

Alle haben empfohlen, wiederholt Erste-Hilfe-Kurse durchzuführen, um auch selbst besser auf Notsituationen reagieren zu können. Herr Wodarg macht solche Kurse (ca. 1,5 Std.) ehrenamtlich.

Was jetzt noch zu prüfen ist: Kennen die Navis die Straßennamen von Ulsnis nicht? Der Sache gehe ich noch nach. (Das Problem hatten wir schon einmal in Ulsnisstrand. Das Katasteramt hatte damals die Straßennamen nicht komplett. Dies ist aber inzwischen der Fall.)

Gruß, Heidrun Karaca"