Heidrun Karaca, Bürgermeisterin der Gemeinde, war am Sonntag, den 13. November 2016 gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Jürgen Schmidt erst im Gottesdienst und dann anschließend zur Kranzniederlegung an den Gedenksteinen des Friedhofes. Dort wurde die hier dokumentierte kurze Rede gehalten. Sie hat im Kern enthalten, was auch Tenor des Gottesdienstes war. Alles war von Musik und Liedern begleitet – eine runde gute Angelegenheit!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir gedenken heute der Opfer aller Kriege und Gewaltherrschaften der Vergangenheit und Gegenwart, der Soldaten und Zivilisten von jung bis alt. Unsere Anteilnahme gilt sowohl den gefallenen Männern, deren Namen hier auf den Steintafeln stehen als auch dem polnischen Soldaten, der am Südrand unseres Friedhofes liegt und der polnischen Zwangsarbeiterin, die am Karberg beigesetzt ist. Unsere Anteilnahme gilt allen Opfern von Ideologie, Gewalt, Terror, Vertreibung und Flucht.

Sicherheit und Frieden, die in Deutschland und Europa nach 1945 gewachsen waren, sind nun nicht mehr so selbstverständlich wie wir es lange gewohnt waren. Tiefe wirtschaftliche Schwierigkeiten und erhebliche soziale Unruhen erschüttern die ganze Welt. Europa tut sich schwer mit gemeinsamer Politik und nationale Interessen bekommen wieder mehr Gewicht. Ängste vor dem Fremden bis hin zu offenem Rassismus wachsen wieder.

Aber die Erbarmungslosigkeit gegenüber anderem Glauben und anderer Ethnie muss uns aufrütteln und zur Orientierung in Richtung Solidarität führen, die wir hier und heute brauchen und auch immer wieder bekommen!

In Ulsnis und Steinfeld leben jetzt drei Familien, die aus dem Iran und Irak hier her gekommen sind, die vor dem Terror geflohen sind. Hier ist so manches Nachbarherz weit geworden und damit die Hilfsbereitschaft gewachsen. Es gibt das freundliche Lächeln, Gesprächsversuche mit Händen und Füßen, technische und organisatorische Hilfen, Spenden von Kleidung, Möbeln und auch Geld und Gutscheinen. Und es gibt auch die Geduld, die Unterschiede in Sitten und Gebräuchen auszuhalten und beim Lernen zu helfen – von der Sprache bis zu den Gewohnheiten.

Das ist konkrete Friedensarbeit, die wir jetzt leisten können.

So können wir:

  • gegen das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts setzen,
  • gegen die Angst vor dem Fremden die Solidarität und Verlässlichkeit aufbauen,
  • gegen Eskalationen den Dialog und die Entspannung pflegen,
  • gegen historische Schuld die Wahrheitssuche und Verantwortung üben.

Damit tun wir viel für eine friedliche Zukunft, mit Herz und Verstand.

Dies wünsche ich uns allen und noch einen besinnlichen Sonntag! Kommen Sie gut nach Hause!